HABICHTSWALDKLINIK
Abteilung Onkologie

Die integrative Onkologie vereint universitäre Medizin,
 Naturheilkunde und Psychoonkologie

Unser Informationsservice zum Thema:

Appetitlosigkeit bei Krebs ©


1. Ursache
n für die
Appetitlosigkeit bei Krebserkrankung

Appetitlosigkeit bei Patienten mit einer Krebserkrankung kann vielfältige Ursachen haben. Sie kann im Zusammenhang mit einer unbehandelten Krebserkrankung auftreten, einhergehend mit allgemeinem Kräfteverfall, Müdigkeit und leichter Erschöpfbarkeit. Dies führt oft vor Diagnosestellung bereits zu einer deutlichen Gewichtsabnahme, die sich schleichend über Wochen und Monate, manchmal aber auch kurzfristig entwickeln kann.

Kommt es im Rahmen der Krebserkrankung zu Störungen im Magen-Darm-System, sei es durch eine primär im Bereich von Rachen, Kehlkopf, Speiseröhre, Magen, Darm liegende Krebserkrankung, sei es durch eine Krebserkrankung im Bauchraum, die von außen auf Organe des Verdauungssystems wirkt, so kann es zu verschiedenen Symptomen wie z. B. Schluckstörungen, Völlegefühl und Obstipation kommen, die zum Teil so uncharakteristisch sind, dass sie nicht auf eine Krebserkrankung hindeuten.

Bei einem Befall der Leber durch ein primär in der Leber entstandenes Karzinom (Leberzellkarzinom), Tumoren der Gallenblase und Gallenwege oder durch einen Befall der Leber mit Metastasen kommt es oft zu Appetitlosigkeit und sich daraus entwickelndem Gewichtsverlust. 

Im Rahmen der Therapie einer Krebserkrankung kann es aus vielfältigen Gründen zu Appetitlosigkeit kommen. Größere operative Eingriffe, insbesondere im Bereich des Verdauungssystems, aber auch bestimmte Medikamente wie z. B. Opiate, können den Appetit mindern und die Verdauungsfunktionen beeinflussen.  

In der sich oft anschließenden Phase der Chemotherapie kann es zu Übelkeit und Erbrechen kommen. Je nach angewendetem Schema der Chemotherapie kann sich dies über lange Zeit hinziehen. Auch nach Aufhören der Übelkeit bzw. bei deren effektiver Behandlung klagen viele Patienten noch über eine unterschiedlich ausgeprägte Appetitlosigkeit. 

In einigen Fällen ist eine Bestrahlung erforderlich, die bei Einbeziehung der Organe des Verdauungssystems ebenfalls zu Störungen führen kann, die oft mit einer Appetitlosigkeit einhergehen. 

Für viele Patienten stellt aber auch alleine das Wissen um eine bösartige Erkrankung, insbesondere eine Krebserkrankung, eine erhebliche psychische Belastung dar, die sich auch körperlich in Form von Appetitlosigkeit ausdrücken kann. 

2. Therapie der Appetitlosigkeit bei Krebs 

Zur erfolgreichen Therapie der Appetitlosigkeit bei Krebs gehört zunächst die Klärung der individuell dazu beitragenden Faktoren. Beeinflussbare Faktoren wie z. B. Obstipation, Übelkeit und Erbrechen sollten gezielt behandelt werden.

Des Weiteren empfiehlt sich ein kombiniertes Vorgehen aus Ernährungstherapie, medikamentöser Unterstützung und gegebenenfalls auch psychoonkologischer Begleitung. 

Zur Ernährungstherapie finden Sie Hinweise in unseren beiden Artikeln „Ernährung bei Krebs“ sowie „Ernährung bei Chemotherapie bzw. während der Chemotherapie“. 

Zur medikamentösen Therapie der Appetitlosigkeit gibt es verschiedene Möglichkeiten: 

Die Pflanzenheilkunde bietet eine große Auswahl an Präparaten: Tausendgüldenkraut, Artischockenblätter, China- Condurango- und Zimtrinde, Löwenzahnwurzel und -blätter, Wermutkraut, Pomeranzenschalen, Enzian-, Calmus- und Angelikawurzel, Schafgarbe, und Ingwerwurzelstock. Diese Substanzen können als Einzelpräparationen (insbesondere Enzian-, Ingwer- und Calmuswurzel, Wermutkraut) gegeben werden, oft werden jedoch Gemische verabreicht, die zum Teil auch Geschmackskorrigenzien enthalten.         
Bitterstoffe führen zu einer vermehrten Speichelsekretion im Mund, zu einer Verbesserung der Motorik im Magen, zu einer vermehrten Produktion von Gallen- und Pankreassekreten und über indirekte Mechanismen zur Appetitsteigerung.  
Wichtig sind die richtige Zubereitung und die rechtzeitige Einnahme vor der Mahlzeit (20-30 Minuten), außerdem ist die Anwendung vor jeder Mahlzeit erforderlich.          
Beispiele für Zubereitungen:

Enzianwurzel: 1 Teelöffel feingeschnittene Enzianwurzel auf 1 Tasse Wasser, 5 Minuten ziehen lassen oder 20-40 Tropfen Tinctura gentianae in 1 Glas Wasser.
Calmuswurzel: Tinctura calami, 20-30 Tropfen auf 1 Glas Wasser. 
Ingwerwasser: 1 Teelöffel grobgepulverte Ingwerwurzel auf 1 Tasse heißes Wasser, 5-10 Minuten abgedeckt ziehen lasen. 

Zur Therapie aus der Schulmedizin gehören Gestagen- und Kortisonpräparate. Hierbei sind die Vor- und Nachteile dieser Präparate zu betrachten.          
Gestagene werden eher Frauen verordnet. Sie waren bei rezeptorpositiven Tumoren der Brust früher Bestandteil der antihormonellen Therapie, eine Option, die heute noch beim
Prostatakarzinom des Mannes in seltenen Fällen in Erwägung zu ziehen ist. Gestagene können bei Frauen, aber auch Männern deutliche Appetit steigernde Effekte entfalten. Zu beachten ist eine etwas erhöhte Thromboseneigung, so dass bei bereits erhöhtem Thromboserisiko eventuell zusätzlich mit einem niedermolekularen Heparin behandelt werden sollte.          
Kortisonpräparate werden im Zusammenhang mit einigen Chemotherapieprotokollen und bei Hirnmetastasen eingesetzt. Wenn erforderlich kann aber der bekannte Appetit steigernde Effekt unabhängig von diesen Indikationen ausgenutzt werden. Bei den Nebenwirkungen ist auf Auswirkungen auf den Stoffwechsel, insbesondere die Blutzuckerregulation, und bei längerer Einnahme auf Faktoren wie
Osteoporose und Muskelschwäche zu achten. 

Liegen trotz psychoonkologischer Begleitung depressive Stimmungsschwankungen vor, in deren Zusammenhang eine Appetitlosigkeit zu sehen ist, so kann auch der gezielte Einsatz von Antidepressiva aus der Pflanzenheilkunde (Johanniskrautpräparate) sinnvoll sein.

Mit den besten Wünschen für Ihre Gesundheit
 © Dr. Jutta Hübner, Onkologie

Animationen animierte Augen

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Aktualisiert: Juni 2010

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