HABICHTSWALDKLINIK
Abteilung Onkologie

Die integrative Onkologie vereint universitäre Medizin,
 Naturheilkunde und Psychoonkologie

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Ernährung während der Chemotherapie ©  


Die Chemotherapie ist eine maximale Belastung des Körpers mit Abbaustoffen beim Zelluntergang und den eigentlichen Zellgiften der
Chemotherapie. Während einer Chemotherapie gelten prinzipiell die gleichen Regeln der gesunden Ernährung weiter. Oftmals ist jedoch aufgrund von Übelkeit oder Entzündungen der Schleimhäute und Durchfallerscheinungen eine gesunde Ernährung mit Obst, Gemüse und Ballaststoffen nicht möglich. Hier gilt es, überhaupt erst mal eine leichte Kost mit Betonung von gut resorbierbaren Kohlenhydraten zu sich zu nehmen. 

Ernährung bei Chemotherapie: Wechselwirkungen

Nahrungsbestandteile während einer Chemotherapie können geschickt eingesetzt jedoch zu einer Verbesserung der Verträglichkeit, zu einem Schutz der gesunden Zellen und zu einer Unterstützung des Immunsystems führen. Einzelne Untersuchungen weisen darauf hin, dass bestimmte Bestandteile einer gesunden Ernährung auch zu einer gewünschten Wirkungssteigerung der Chemotherapie führen können. Umgekehrt ist jedoch zu beachten, dass beim Einsatz von Vitaminen und Spurenelementen in Form von zusätzlichen Gaben auch ungewünschte Effekte auf die Chemotherapie auftreten können. Diese Wechselwirkungen sind nur eingeschränkt erforscht, so dass hochdosierte Vitamin- und Spurenelementgaben während der Chemotherapie individuell mit dem Arzt abzustimmen sind. Einige Beispiele für Wechselwirkungen durch die Ernährung:

Einnahme von Vitamin E und Antracyclinen: Steigerung der Toxizität?

Einnahme von Selen während Cisplatingabe: Senkung der Toxizität

Vitamin C-Gabe bei allen Chemotherapien: Senkung der Toxizität?

Gabe von Q10 während der Therapie mit Antracyclinen: Senkung der Toxizität

Gabe von Glutathion oder ACC zu Cisplatin und/oder Antracyclinen: Senkung der Toxizität

Gabe von Glutamin: Senkung der Durchfallneigung

Gabe von Carnitin zu Antracyclinen: Senkung der Toxizität

Tipps zur Ernährung während der Chemotherapie

Einnahme von häufigen kleinen Mahlzeiten auf bis zu 8 Portionen täglich verteilt, langsam essen und gut kauen. Obst und Gemüse wird evtl. in Form von Saft besser vertragen, das Obst sollte auf jeden Fall reif sein. Bei der Zubereitung sollte insbesondere in der Anfangsphase nach einer Operation keine Rohkost zu sich genommen werden, auch Obst kann in Form von Kompott gegart gegessen werden. Zitrusfrüchte werden oft nicht gut vertragen, günstig sind Äpfel, Birnen und Bananen. Sehr gut unterstützend können geriebene Äpfel sein.

Gerichte aus Vollkornprodukten sind grundsätzlich zu bevorzugen, jedoch ist die Verträglichkeit von den damit verbundenen Ballaststoffen oft herabgesetzt, so dass auf Zwiebäcke, helles Brot oder Reis zurückgegriffen werden kann. Bei den Milchprodukten werden oft Käse und Quark besser vertragen als Frischmilchprodukte. Joghurt kann den Wiederaufbau der körpereigenen Darmflora unterstützten. Die Fettverträglichkeit sollte individuell ausprobiert werden, manchmal werden spezielle Streichfettzubereitungen mit sog. mittelkettigen Triglyceride (freien Fettsäuren) besser vertragen. 

Nicht empfehlenswert sind sehr fette und/oder süße Speisen wie paniertes, fetter Braten, fette Fleisch- und Wurstwaren, Schokolade, Marzipan, Nougat, Pralinen, fettes Gebäck, blähende Gemüse wie Erbsen, Bohnen, Linsen, grober Kohl, Hülsenfrüchte, säurereiches Obst wie Stachelbeeren, Johannisbeeren, Rhabarber, Zitronen, Grapefruit. Außerdem kann es bei scharfen Gewürzen und geräucherten gesalzenen Speisen zu Beschwerden kommen.

Frisches Brot sollte evtl. einen Tag liegen gelassen werden. Die Verträglichkeit von Kaffee muss individuell erprobt werden, oft ist Tee besser geeignet. 

Bei Abneigung gegen Fleisch- und Wurstwaren sollten Eier und Milchprodukte bevorzugt werden. Bei Durchfällen eignen sich geriebene Äpfel, frisches Obst, blähende Gemüse und Salate sollten vermieden werden. Bei Entzündungen der Mundschleimhaut sollten die Speisen nicht zu heiß verzehrt werden, auch salzige, stark gewürzte und saure Speisen sind nicht geeignet.

Bei Erbrechen und Durchfällen sollte an die reichliche Flüssigkeitszufuhr gedacht werden, wird ein leichter Haferschleim vertragen.

Bei Gewichtsverlust können häufig keine großen Nahrungsmengen aufgenommen werden, auch der Verzehr mehrerer kleiner Mahlzeiten kann einen Gewichtsverlust nicht immer vermeiden helfen. Hier können gezielt nährstoffreiche Trinknahrungen, die es mittlerweile in sehr unterschiedlichen Geschmacksrichtungen gibt, eingesetzt werden. Das Untermischen eines geschmacklich kaum wahrzunehmenden Kohlenhydrates (Maltodextrin) ist unter fast alle Speisen möglich, auch das Einrühren von Sahne in vorbereitete Getränke und Nahrungsmittel kann zusätzliche Kalorien zuführen. 

Insgesamt sollte die Ernährung nach der individuellen Verträglichkeit zusammengestellt werden. Ganz wesentlich ist jedoch, dass trotz allem Wunsch nach einer optimalen gesunden Ernährung gerade in Zeiten der Erkrankung und erforderlichen Therapie Nahrungsaufnahme wesentlich unter dem Gesichtspunkt des Genusses betrachtet werden sollte. Bei Verträglichkeit sind deshalb auch Plätzchen und Schokolade oder Pralinen in Maßen genossen nicht nur erlaubt, sondern zu empfehlen.

Mit den besten Wünschen für Ihre Gesundheit
 © Dr. Jutta Hübner, Onkologie

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Aktualisiert: Juni 2010

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