HABICHTSWALDKLINIK
Abteilung Onkologie

Die integrative Onkologie vereint universitäre Medizin,
 Naturheilkunde und Psychoonkologie

Unser Informationsservice zum Thema:

Polyneuropathie ©

bei Chemotherapie


Polyneuropathie: I. Einleitung 

Unter dem Begriff Polyneuropathie verstehen wir Nervenschädigungen, wobei das Wort sich zusammensetzt aus poly (viele) und Neuropathie (Nervenerkrankung). Polyneuropathie n können verschiedene Ursachen haben. In der Regel sind die Nerven mit besonders langen Leitungsbahnen betroffen, also die sensiblen Nerven von Händen und Füßen. Ein bekanntes Beispiel für Polyneuropathie findet sich bei Diabetikern

Eine einfache diagnostische Möglichkeit stellt die Überprüfung der sog. Pallästhesie dar, bei der eine vibrierende Stimmgabel auf den Knochen im Unterarm oder Knöchelbereich gesetzt wird und der Patient angibt, wie lange er die Vibrationen verspürt.

Leider führen einige bewährte Chemotherapiemittel als Nebenwirkung zu einer Polyneuropathie. Zu den bekanntesten hierzu zählenden Medikamenten gehören die Vinkaalkaloide (Vincristin, Vindesin, Vinorelbin), Platinpräparate (Cisplatin, Carboplatin, Oxaliplatin), Taxane (Taxol, Taxotere). 

Bei den genannten Medikamenten kommt es jedoch nicht bei allen Patienten zu dem Auftreten dieser Störung, sodass individuell kritisch beobachtet werden muss. 

Die chemotherapieinduzierte Polyneuropathie betrifft nur die sensiblen Nerven, sie ist dosisabhängig und tritt verzögert auf, d. h. in der Regel nicht mit der ersten Chemotherapie. Die Polyneuropathie ist kumulativ, d. h. jede weitere Chemotherapiegabe verschlechtert die Symptome. 

Patienten, die während der Chemotherapie Veränderungen der Sensibilität wie vermindertes Tastempfinden, beginnendes Taubheitsgefühl in Händen oder Füßen, „Ameisenkribbeln“ empfinden, sollten dies umgehend mit dem für die Chemotherapie zuständigen Arzt besprechen. In diesen Fällen muss entschieden werden, ob die Chemotherapie entsprechend angepasst werden kann.

Kommt es zu schwereren Formen der Polyneuropathie, so klagen die Patienten teilweise über Schmerzen trotz der Sensibilitätsstörungen, es kann zu erheblichen Behinderungen bei der Feinmotorik oder beim Gehen kommen.

Der natürliche Verlauf der durch eine Chemotherapie induzierten Polyneuropathie ist unterschiedlich, in der Regel handelt es sich zumindest in den Anfangsphasen um Störungen, die sich zurückbilden können (reversible Veränderungen), um so wichtiger ist die rechtzeitige Kommunikation mit dem Arzt. Der Zeitrahmen der Rückbildung ist unterschiedlich und kann wenige Wochen bis Monate in Anspruch nehmen. 

Neben den peripheren Nerven können bei einigen Chemotherapiemitteln auch Teile des autonomen Nervensystems betroffen sein, was z. B. zu Obstipation oder Durchfällen führen kann, eine weitere Schädigungsmöglichkeit ist die Schädigung des Gehörs.

Polyneuropathie: II. Prophylaxe der Polyneuropathie

Trotz intensiver Bemühungen ist es bisher nicht gelungen, außer dem Absetzen der Medikamente bei einer beginnenden Polyneuropathie andere sicher wirksame Methoden zu finden, um eine Schädigung der Nerven zu verhindern. 

Patienten, die Oxaliplatin erhalten, sollten auf jeden Fall Kälteexposition nach der Chemotherapie vermeiden.

In einer Studie wurde überprüft, ob die in der Therapie der Polyneuropathie eingesetzten Medikamente Carbamazepin und Garbapentin auch während der Chemotherapie wirksam sein können. Beide Medikamente zeigten eine hohe Erfolgsrate, allerdings ist diese Studie sehr klein, so dass dieses Vorgehen erst in einer größeren Studie überprüft werden sollte, bevor eine generelle Anwendung dieser beiden nicht nebenwirkungsfreien Medikamente empfohlen werden kann. 

Der Substanz Amifostin wird grundsätzlich bei einer Chemotherapie eine die gesunden Zellen schützende Wirkung zugeschrieben. Deshalb wurde Amifostin auch gezielt bei Chemotherapien eingesetzt, die Polyneuropathie verursachen können. Hierbei zeigte sich, dass die Häufigkeit von Polyneuropathie deutlich herabgesetzt werden konnte. Amifostin hat jedoch auf dem deutschen Markt in diesem Zusammenhang noch keine Zulassung. 

Eine neue Studie aus dem Jahr 2004 zeigt, dass bei bereits aufgetretener Polyneuropathie unter Oxaliplatin die Fortsetzung der Chemotherapie mit gleichzeitiger Gabe von Magnesium- und Calciumsalzen als Infusion zu einer deutlichen Besserung führte. Patienten mit nur minimalen Symptomen bei Beginn zeigten keinen Progress. 

Im Januar diesen Jahres wurde eine griechische Studie publiziert, bei der die Gabe von Vitamin E in einer Dosierung von 600 mg pro Tag zu einem deutlich selteneren Auftreten einer Polyneuropathie führte als die Gabe eines Placebos. 

Auch die beiden letzten genannten Studien wurden nur an wenigen Patienten durchgeführt, sodass weitere Untersuchungen dringend erforderlich sind.

Polyneuropathie: III. Therapie der Polyneuropathie

Bei der Therapie der Polyneuropathie gibt es genauso wenig wie bei der Prophylaxe eine wissenschaftlich klar bewiesene und etablierte Therapie.  

Allgemein gelten die Vitamine der B-Gruppe als nervenfördernde Medikamente, weshalb sie von vielen Ärzten in dieser Situation verschrieben werden.  

Bei schmerzhafter Polyneuropathie werden in der Regel klassische Schmerzmittel, aber auch die oben bereits genannten Medikamente Carbamazepin und Garbapentin eingesetzt, die insbesondere in Kombination mit einem klassischen Schmerzmittel wirksam sind.

Da diese Medikamente auch Nebenwirkungen entfalten können, suchen viele Patienten nach einer Alternative.

IV. Therapieangebot für Patienten mit Polyneuropathie in der Abteilung Onkologie der Habichtswald-Klinik Kassel 

Neben den oben aufgezählten Punkten bemühen wir uns intensiv darum, Patienten mit einer Polyneuropathie im Rahmen eines interdisziplinären Therapieansatzes zu helfen. Hierzu gehören Sporttraining und Krankengymnastik, eine spezielle Unterstützung in der Ergotherapie mit Sensibilitätstraining und Aufklärung über Hilfsmöglichkeiten im Haushalt. Hinzu kommt in einem Modellprojekt der Einsatz der Elektrotherapie mit Mittelfrequenzwelle für den Fußbereich und Iontophoresen mit Vitamin B-Gel. Bei der Iontophorese ist es möglich, über die Hautoberfläche Wirkstoffe in den unmittelbar darunter befindlichen Bereich einzubringen.

Auf das von einigen Patienten im Rahmen der Polyneuropathie angegebene Kältegefühl in Händen und Füßen scheint sich  Autogenes Training mit gezielter Erarbeitung der Wärmeübung positiv auszuwirken.

V. Empfehlungen für Patienten mit einer Polyneuropathie 

Patienten mit einer Polyneuropathie sollten besonders vorsichtig sein, da Verletzungen oft nicht gespürt werden und so schnell gefährliche Entzündungen entstehen können, die insbesondere unter einer Chemotherapie bei verminderter Abwehrlage Probleme bereiten können.

Patienten mit Gefühlsstörungen im Bereich der Beine sollten dafür sorgen, dass in der eigenen Wohnung keine Unebenheiten wie z. B. Teppichkanten zu Stürzen führen können. Bei Benutzung einer Treppe sollte das Handgeländer benutzt werden.

Insbesondere Treppen sollten frei sein von anderen Objekten und eine nicht rutschende Oberfläche bieten.

Dusche und Badewanne sollten so ausgestaltet werden, dass die Rutschgefahr vermindert wird.

Nachts sollte beim Aufstehen ein Licht eingeschaltet werden.

Beim Arbeiten mit Wasser, Duschen und Baden sollte die Temperatur besonders gründlich kontrolliert werden, um Verbrennungen zu vermeiden.

Eine vorsichtige Nagelpflege im Hand- und Fußbereich trägt außerdem wesentlich dazu bei, Entzündungen und Verletzungen zu vermeiden.

Zur Verbesserung der Allgemeinen Sicherheit bei Bewegungen sollte frühzeitig Krankengymnastik und ein leichtes Sporttraining eingesetzt werden.

Bei den täglichen Tätigkeiten gibt es Hilfsmittel, die feinmotorische Arbeiten erleichtern können, hierzu gehören z. B. Griffhilfen, die über Stifte gestülpt werden können, Griffhilfen für Schlüssel, Messer und andere Besteckteile etc.

Mit den besten Wünschen für Ihre Gesundheit
 © Dr. Jutta Hübner, Onkologie

Animationen animierte Augen

Weitere Medizinische Informationen und Links für Patienten und Interessierte - von Akute Leukämie bis Zweite Meinung -  finden Sie hier.

Die „Komplementäre Onkologie“ von Jutta Hübner: Ein Buch, das Sie als Onkologe oder als Hausarzt, Internist, Gynäkologe oder Urologe, der mit Krebspatienten konfrontiert ist, immer wieder konsultieren werden. Alle Komplementärsubstanzen als Patienteninformation auf CD-ROM!

  Weitere Informationen und Bestellformular finden Sie hier:
Komplementäre Onkologie, Supportive Maßnahmen und evidenzbasierte Empfehlungen

Zur Klärung weiterer medizinischer Fragen und Behandlungs- bzw. Therapiemöglichkeiten steht Ihnen unser Chefarzt im persönlichen Gespräch gerne zur Verfügung. Bitte vereinbaren Sie zuvor einen Termin in unserer Privatambulanz.

Sagen Sie uns ruhig mal Ihre Meinung!
Oder stellen Sie Ihre Fragen -
klicken Sie uns hier an...

Sie möchten diesen Artikel ausdrucken? Markieren Sie den gewünschten Text, gehen Sie in der Symbolleiste auf "Datei", dann auf "Drucken", danach "Markierung" anklicken und dann erst drucken, denn sonst verlieren Sie durch die nachfolgende Themenübersicht unnötiges Papier.

Aktualisiert: Juni 2010

Weitere Informationen zu Krankheiten finden Sie bei der Wicker-Gruppe unter www.informationen-zu-krankheiten.de. Info-Material zur Klinik anfordern: www.wicker-gruppe.de/infomaterial-anfordern.html

Die Klinik ist nach den Qualitätsgrundsätzen der DIN-EN ISO 9001 zertifiziert.  

Unsere Klinik ist von allen gesetzlichen Krankenversicherungen in Deutschland nach § 111 als Rehabilitationsklinik anerkannt. Wir sind außerdem von allen privaten Krankenkassen als gemischte Anstalt anerkannt. Die Kostenübernahme muss aber zuvor bei dem jeweiligen Kostenträger beantragt werden. Bei Rückfragen bezügl. der Kostenübernahme können Sie sich gerne an unseren Verwaltungsleiter, Herrn Schenk, wenden (Servicetel.: 0800 / 8 90 11 00, Tel.: 0561-3108-621, E-Mail)

Weitere Fragen?
Schicken Sie uns eine Email

info@habichtswaldklinik.de

0561 - 3108 - 622

Habichtswaldklinik

· Impressum · Anfahrt

Wigandstraße 1 · 34131 Kassel - Bad Wilhelmshöhe (Germany)
Telefon +49 (0) 56 1-3108-0 · Telefax 31 08 - 128

Servicetelefon 0800 / 8 90 11 00 · Info-Fax 0800 / 7 32 73 80

Haftungshinweis:
Für die gemachten Angaben wird keine Gewähr übernommen; im Einzelfall ist immer ein Arzt zu konsultieren! Trotz sorgfältiger inhaltlicher Kontrolle übernehmen wir keine Haftung für die Inhalte externer Links. Für den Inhalt der verlinkten Seiten sind ausschließlich deren Betreiber verantwortlich.